Projekt "Wanderweg Industriegeschichte Unteres Remstal"

Das Projekt "Wanderweg Industriegeschichte" soll die Industriegeschichte des Unteren
Remstals, deren Zeugnisse zunehmend dem Abrissbagger zum Opfer fallen oder dem Verfall
preisgegeben sind, erfassen, dokumentieren und (zumindest teilweise) für die Nachwelt
erhalten. Zur Industriegeschichte gehören die Mühlen, die Erzeugung von Strom aus
Wasserkraft, der Eisenbahnbau, die Ziegelei-, Nahrungsmittel- und Maschinenbauindustrie
sowie die Geschichte der Arbeiterbewegung.
Das Remstal ist eine Region, die, weil sie keine Bodenschätze aufwies, erst recht spät
industrialisiert wurde. Grundlage für die Industrialisierung war die Wasserkraft, die an der
Rems und ihren Nebenflüssen reichlich vorhanden ist.
Sie diente ursprünglich dem Betrieb von zahlreichen Getreidemühlen, die zum einen eine
wesentliche Rolle bei der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung spielten, aber auch mit
dem Erfindungsreichtum ihrer Erbauer und Betreiber immer zur Speerspitze des technischen
Fortschrittes gehörten.
Dies galt insbesondere zu Ende des 19. Jahrhunderts, als die Wasserkraft nicht mehr
nur Mühlen antrieb, sondern zur Stromerzeugung benutzt wurde. Diese wiederum
war Voraussetzung für die Ansiedlung von Industriebetrieben, die bis heute
wesentlich die Wirtschaftsstruktur der Region prägen (Maschinenbau, Elektrotechnik,
Nahrungsmittelindustrie) und - zusammen mit der Strebsamkeit, dem Fleiß und dem
Erfindungsreichtum der in diesen Betrieben arbeitenden Menschen - die Grundlage legten für
den heutigen Wohlstand unserer Region.
Zusammen mit der agrarischen Nutzung der fruchtbaren Lößlehmböden und der Nutzung
der Hänge durch Wein- und Streuobstbau ergeben die beschriebenen Entwicklungen den
- wie es der Landschaftsplaner Joachim Senner ausdrückt - "genetischen Code" bzw.
Fingerabdruck der Landschaft des Vorderen Remstals.
Ausgangspunkt des Wanderweges wären die Mühlen von Stetten im Remstal (Gemeinde
Kernen), mitsamt ihren wieder in Betrieb genommenen Mühlkanälen (zur Zeit sind sie
stillgelegt). Der Weg führte dann über Endersbach (Birkel-Nudeln), Beinstein (Beinsteiner
Mineralquellen, Geheime Mühle mit Maschinenbaubetrieb), Waiblingen (Turbinen, Fa. Stihl)
bis Hegnach (Getreidemühle).
Weitere, darzustellende Wirtschaftsbereiche entlang des Wanderweges (auch als
Fahrradweg denkbar) wären der 1861 erfolgte Bau der Eisenbahn (Bahnhöfe, Tunnel,
Viadukte. 150jähriges Jubiläum 2011), sowie die ehemaligen Ziegelwerke und Steinbrüche
als Voraussetzungen für den Bau von Häusern, Industrieanlagen und Straßen., die
Terrassenweinberge und - last but not least - die Entwicklung der Arbeiter- und
Gewerkschaftsbewegung, deren sozialpartnerschaftlicher Kurs wesentlich zur zumindest
vorübergehenden und erfolgreichen Aufhebung des Widerspruches zwischen Kapital und
Arbeit führte.
Das Projekt Technikwanderweg geht ebenfalls von der Erkenntnis aus, dass es aufgrund
der Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur unserer Region notwendig sein wird, neue
wissens- und tourismusbasierte Wirtschaftsbereiche zu erschließen, da die bisherige
industrielle Produktionsbasis immer kleiner wird. Außerdem nehmen wir an, dass aufgrund
des Klimawandels vermehrt Touristenströme von den mediterranen Küsten in unsere
klimatisch begünstigte Gegend kommen werden. Ein weiteres Ziel des Projektes wäre ein
heimatkundliches, nämlich alte handwerkliche und technische Traditionen zu erhalten.
Stand: Juli 2010
| Weiter > |
|---|

