Projekt Dorfgedächtnis
Mit dem Projekt "Dorfgedächtnis" will die Allmende dem Verlust des Erfahrungsschatzes
unserer Vorfahren entgegenwirken. Durch Bild- und Tonaufzeichnungen soll das Wissen und
die Erfahrung der "Alten" dokumentiert und für nachfolgende Generationen bewahrt werden.
Ein erstes Ergebnis dieses Projekts ist der 2009 erschienene Dokumentarfilm "d'Elis bachd"
über die heute noch bestehende Tradition des Brotbackens im Holzbackofen
Die Erfahrungen der "Alten" wurden früher mündlich von einer Generation zur anderen
weitergegeben, bei Dorffesten, verwandtschaftlichen Zusammenkünften, im Verein oder bei
gemeinsamen landwirtschaftlichen Tätigkeiten wie dem Dreschen, dem Mahlen des Korns
oder dem Bohnenlesen.
Dieser Faden der mündlichen Überlieferung an die Nachkommenden ist durch die
gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte leider gerissen, so dass
es unser Ziel ist, durch Interviews mit älteren Leuten (in Ton und Bild) deren Wissen für
die Nachwelt zu erhalten und untergehende handwerkliche und bäuerliche Traditionen zu
dokumentieren.
Bei diesen Aufzeichnungen geht es nicht nur um den Erfahrungsschatz der Alteingesessenen
(und deren Dialekt), sondern zum Beispiel auch um die Lebensgeschichten der Vertriebenen/
Flüchtlinge nach Ende des 2. Weltkrieges oder der ArbeitsmigrantInnen der 1960er/1970er
Jahre.
Ein erstes Ergebnis dieser Aktivitäten ist der 2009 fertiggestellte 40-minütige
Dokumentarfilm "d'Elis bachd" über die Tradition des Brotbackens im Holzbackofen.
Inhaltsangabe:
Seit 1840 existiert in Stettens Dorfmitte in der Mühlgaß ein gemeindeeigenes Backhäusle,
in dem bis zum heutigen Tag Kuchen und Brot im tradítionellen Holzbackofen hergestellt
werden. Eine der regelmäßigen Nutzerinnen war bis vor kurzem die über 90-jährige Elis
Zimmer aus der Pommergaß, die der Film bei der Brotherstellung begleitet. Sie zeigt, wie
im Backhäusle der Ofen mit Kräala angezündet und zu Hause der Brotteig geknetet und
portioniert wird. Wir sind dabei, wenn die Brote in den Ofen eingeschossen werden und sehen
natürlich auch das knusprige Resultat. Dazu erzählt Elis Zimmer aus ihrem arbeitsreichen
Leben.
Für 2010 sind Filme über den Weinbau in früherer Zeit und über die Tradition
des "Fasnetskiachla-Backen" zur Faschingszeit geplant. Ausserdem eine Dokumentation
über die 1786 erbaute Glockenkelter in Stetten im Remstal, ein denkmalgeschütztes
Gebäude, das nach der Aufgabe seiner landwirtschaftlichen Funktion nacheinander als HJ-
Heim, Wohnung für sowjetische ZwangsarbeiterInnenfamilien sowie nach dem Kriege als
Herberge für Vertriebene aus Ungarn und der Tschechei diente.
Neben der Filmarbeit führen wir regelmäßig biographische Interviews mit älteren Leuten,
mit denen neben ihren Lebensschicksalen auch deren Dialektfärbungen für die Nachwelt
erhalten werden sollen. So soll langfristig ein Archiv angelegt werden, das sowohl für
DorfforscherInnen, Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen wie auch für LinguistInnen
interessant ist.
Stand: Juli 2010
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