Das Trockenmauerprojekt Y-Burg Stetten: Erhaltung von Weinbautraditionen und Biodiversität

spannbogenUnterhalb des Wahrzeichens von Stetten im Remstal (20 km östlich von Stuttgart), der Ruine Y-Burg, befinden sich die letzten noch verbliebenen bewirtschafteten Terrassenweinberge im Remstal, die früher typisch waren für die Hänge der Region und die in der für diese Art der Bewirtschaftung typischen Trockenmauertechnik errichtet wurden. Vor 5 Jahren begann die Allmende mit der Restaurierung dieser Mauern und mit Seminaren zur Weitergabe der jahrhundertealten Handwerkstradition an nachfolgende Generationen. 2009 wurde ein Museumswengert mit mittelalterlichen Rebsorten angelegt.
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Die Trockenmauerterrassen wurden vor Hunderten von Jahren in mühsamer Handarbeit von unseren Vorfahren der Natur abgerungen, unter Verwendung der vor Ort vorhandenen
Sandsteine aus dem Gipskeuper und mit einer Technik, die dem Mauerbau der Inkas in der berühmten Tempelanlage Machu Picchu in Peru vergleichbar ist. Bei diesem so genannten
Trockenmauerbau werden exakt behauene Steine ohne Mörtel und mit einer speziellen, über Generationen erprobten Setztechnik zu bis zu 4 Meter hohen Mauern zusammengefügt.
An den Hängen des Remstals wurden so in den letzten tausend Jahren Millionen von Steinen verbaut. In jedem einzelnen Stein steckte ein Tagwerk Arbeit - vom Brechen im Steinbruch,
dem Transport zur Baustelle, dem Behauen bis zum Aufeinanderfügen in der Mauer. Auf den Neckar und seine Nebentäler hochgerechnet, lässt sich diese Kulturleistung unserer Vorfahren
mit Tausenden von Kilometern Trockenmauern durchaus mit dem Bau der chinesischen Mauer vergleichen. Durch die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit der Mechanisierung und Rationalisierung des Weinbaus verschwanden diese Mauern mit den Rebflurbereinigungen der 1960er bis 1980er Jahre und damit auch das Wissen um die Trockenmauertechnik.
2005 startete die Allmende das Trockenmauerprojekt Yburg, mit dem zum einen die eingefallenen Mauern restauriert (und damit auch Lebensraum für die dort angesiedelte
Flora und Fauna erhalten und ausgebaut) und zum anderen bei Seminaren mit alten alten Handwerkern die spezielle Trockenmauertechnik an nachfolgende Generationen
weitergegeben wurde. Museumswengert + Biodiversität 2009 wurde im Rahmen des Projekts zusammen mit dem Weingut Beurer ein Museumswengert mit mittelalterlichen, inzwischen fast ausgestorbenen süddeutschen Rebsorten angelegt, der neben der Darstellung der alten Bewirtschaftungsmethoden auch der Erhaltung des genetischen Materials dieser Rebsorten, also der Erhaltung der Biodiversität im Bereich Weinbau dienen soll. Hinzu kam die Anpflanzung von Wengertbegleitpflanzen, die früher typisch waren für die Rebanlagen in der Terrassentechnik.  Im April 2010 wurden entlang der Burgsteige 5 Infotafeln zur Technik des Trockenmauerbaus,  Tier- und Pflanzenwelt der Trockenmauern sowie zum Museumwengert aufgestellt.

Diaschau über Kleindenkmale in Stetten(Trockenmauern und Grabmale) starten

Drittes Trockenmauerseminar an der Yburg - ein beeindruckendes Erlebnis

Am letzten Juli-Wochenende 2011 fand mit großem Zuspruch unser 3. Trockenmauerseminar statt. Es startete am Freitagnachmittag mit einem Vortrag von Martin Bücheler, der mit Fotos und Zeichnungen 70 ZuhörerInnen erklärte, wie eine Trockenmauer richtig (oder falsch!) gebaut wird. 65 BesucherInnen gingen anschließend mit dem Schnaiter Fotografen Richard Lenz auf eine Reise durch Europa und sahen faszinierende Bilder von Trockenmauern aus Deutschland, Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien. Ein wahrer Augenschmauß. Am Samstag, zum praktischen Teil, sah der Vorplatz der Yburg aus wie eine Dombaustelle aus dem Mittelalter.
30 TeilnehmerInnen, darunter 5 Frauen und 10 Personen aus Stetten und Rom, gruben Fundamente, bearbeiteten Steine und schichteten sie zu einer neuen Trockenmauer auf. Kurzfristig konnten wir Klaus Riebel aus Lorch mit seiner fahrbaren Schmiede verpflichten, der das zur Steinbearbeitung notwendige Werkzeug auf Vordermann brachte. Auch bei den Medien fand das Seminar großes Interesse, anwesend waren SWR Fernsehen ("Kaffee oder Tee"), vom Radio SWR 2 + 4 und die örtlichen Zeitungen. Die Stimmung war toll, auch der Wettergott machte mit und Bürgermeister Altenberger und Beigeordneter Schaal waren bei einem Baustellenbesuch vom Ergebnis sehr angetan.
Wir bedanken uns bei unseren Anleitern Richard und Jürgen Lenz, Martin Bücheler, Uwe Aßmus, Benedikt Schuster sowie Walter Greiner. Für die logistische und finanzielle Unterstützung geht unser Dank an die Weingüter K.Haidle und J.Beurer, Bürgerstiftung und Volksbank sowie an die Gemeinde, insbesondere an die Mannen vom Bauhof, die wichtige Vorarbeit geleistet haben.
Am Freitag 26.08.2011 wurde die Mauer feierlich eingeweiht.
Bericht der Waiblinger Kreiszeitung 01.08.2011
Bericht der Fellbacher Zeitung 02.08.2011

Die TeilnehmerInnen des 3. Trockenmauerseminars an der Y-Burg

Video: SWR-Sendung: Museumswengert und Trockenmauern - SWR SonntagsTour

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Video: SWR-Sendung Kaffee oder Tee über Trockenmauerseminar Yburg 30. Juli 2011

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Neue Heimat für den Natternkopf


Am vergangenen Di, 19.6. pflanzten wir zusammen mit der Biologie-AG der Rumold-Realschule verschiedene wärmeliebende Blühpflanzen auf der Krone der Allmende-Mauer am Schlössle, im Rahmen des 111-Arten-Korbes des Regierungspräsidiums Stuttgart. Die Idee dazu war vor 3 Jahren bei einem Gespräch von Regierungspräsident Schmalzl mit Jochen Beurer entstanden. Die Samen für die jetzt eingesetzten Pflanzen (u.a. Sonnenröschen, Goldrute und Natternkopf) wurden von den SchülerInnen letztes Jahr zusammen mit Christiane Edler vom Institut für Botanik in Karlsruhe am Stettener Wagbühl gesammelt. Die SchülerInnen Lea Krebs, Fenja Büchler, Franziska Walter und Vedran Blazenovic wurden unterstützt von ihrer Lehrerin Angelika Fuchs, der Rektorin Frau Nagl-Kranzinger, sowie Corinna Zanker, Hildegard Bitzer-Prill, Erika Demske, Richard Lenz, Bürgermeister Altenberger und Barbara Haas vom Regierungspräsidium Stuttgart. WKZ und FZ machten Fotos und SWR 4 Radio Stuttgart war mit einem Reporter vor Ort. Unser Dank geht an unsere Kooperationspartner Weingüter Karl Haidle und Jochen Beurer, Landschaftsbau Richard Lenz, die Mannen vom Bauhof der Gemeinde Kernen und den NABU-Kreisverband Rastatt. Ein besonderer Dank geht an die Gärtnerei Haidle für die logistische Unterstützung und die Pflanztipps.