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Montag 20. Juni, 20 Uhr, TV-Heim Stetten

"Kollege Joschka" - Lesung mit Jan-Ole Arps aus seinem Buch: „Frühschicht. Linke Fabrikintervention in den 70er Jahren“.

Joschka Fischer hat es getan, Klaus Franz und auch Berthold Huber. Sie gingen in den 1970er Jahren in die Betriebe, weil sie mit der Arbeiterklasse zusammen die Welt verändern wollten. Fischer hat die Fabrik schnell wieder verlassen, wurde später Außenminister und ist jetzt Unternehmensberater, Klaus Franz blieb und ist seit vielen Jahren Betriebsratschef bei Opel, Berthold Huber ist Vorsitzender der IG Metall.

Was heute kaum vorstellbar klingt, war Anfang der 1970er Jahre weit verbreitet. Einige tausend junge Linke tauschten die Universität mit der Fabrik, um sich mit den Arbeitern am Fließband zu vereinen. Einer der damaligen Aktivisten, Harry Oberländer, schrieb 1977, Jahre nachdem er als revolutionärer Aktivist bei Opel in Rüsselsheim angeheuert hatte: „Ich wusste nicht, was auf mich zukam. Aber ohne die Arbeiterklasse hatten wir keine Chance, die Welt zu verändern, so viel war klar.“

In seinem Buch „Frühschicht“ geht der junge Politikwissenschaftler und Autor Jan Ole Arps aus Berlin der Geschichte dieses vergessenen politischen Experiments nach. Er beschäftigt sich mit den sogenannten K-Gruppen (wie KPD/ML und KABD), die sich an Lenins Modell der Kaderpartei orientierten, und den Frankfurter Spontis um Fischer und Cohn-Bendit, die mit der Parole "Wir wollen Alles" selbstständige Arbeiterkämpfe in der Fabrik in Gang bringen wollten. Er schildert die Kluft zwischen revolutionärer Hoffnung und betrieblichem Alltag, zwischen Begeisterung und Ernüchterung über die Arbeiterklasse und forscht nach den Widersprüchen in den Strategien der Beteiligten, die mal nur einige Monate, manchmal ein ganzes Leben in der Fabrik geblieben sind.
Das Buch bietet Anlass zur Auseinandersetzung mit der Geschichte betrieblicher Kämpfe in der Bundesrepublik, es wirft aber auch Fragen auf, die heute noch aktuell sind. Darüber kann nach der Lesung ausführlich diskutiert werden.
Die Lesung findet am Montag, 20. Juni 2011 um 20 Uhr im TV-Heim in Stetten statt, im Rahmen der Allmende-Reihe "Gespräche unter der Yburg. Der Eintritt kostet 5 Euro.

Mit freundlicher Unterstützung des Vereins für internationale Arbeits- und Kulturbeziehungen e.V. (VIAK)