Allmende für MB 35-2018 vom 29.8.2018

Vortrag Wolfgang Lieb (1)

 

Vergangenen Freitag hatten wir Wolfgang Lieb zu einem Vortrag über die Krise der Massenmedien und die Vorteile, Risiken + Gefahren der sozialen Medien eingeladen. Der Allmende-Vorsitzende Ebbe Kögel freute sich, dass der 74-jährige Lieb, der im Nachbarort Rommelshausen aufwuchs, jetzt aber in Köln wohnt, zum zweiten Mal den Weg in den mit 60 Gästen ausverkauften Museumskeller gefunden hatte. Er war bereits 2010 bei den „Provinziellen Lebenswegen“ zu Gast.

Der Referent distanzierte sich gleich zu Beginn von dem im Einladungstext verwendeten Ausdruck der „Lügenpresse“. Diese häufig gebrauchte Pauschalisierung, die von den Nazis „erfunden“ wurde, wird oft von politisch ganz rechts angesiedelten Kreisen benutzt. Ist aber auch in der S 21-Widerstandsbewegung immer wieder zu hören.

Laut Lieb sind die Massenmedien, insbesondere die Leitmedien Zeitung und Fernsehen, wichtig für die demokratische Meinungsbildung. Er sieht einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Zustand der Medien und dem Zustand unserer Demokratie. Da steht es allerdings nicht zum Besten. Nicht nur, dass die Auflagenzahlen der Zeitungen im letzten Jahrzehnt drastisch eingebrochen sind, auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen verliert zunehmend die jüngeren ZuschauerInnen. Zum Teil sind dies hausgemachte Probleme, weil diese Leitmedien durch schlampige und unkritische Berichterstattung viel von ihrer Glaubwürdigkeit verloren haben. Beispiele dafür gibt es leider genug, z.B. die Behandlung der Finanz-, Ukraine- und Syrien-Krise. (Forts. folgt)

Antikriegstag

Anlässlich des Anti-Kriegstages (1.9.) organisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund unter dem Titel "Abrüsten statt aufrüsten" am Fr, 31.8., 18 Uhr, eine Gedenk- und Friedensaktion mit Lilo Rademacher am Friedensbaum in Fellbach (Ecke Schwabenlandhalle/Schillerstr. 26). Wir rufen dazu auf.

 

 

 

Allmende für MB 36-2018 vom 5.9.2018

Vortrag Wolfgang Lieb (2)

 

Forts. des Berichts über den Vortrag von W. Lieb: Weltweit spielen die sozialen Internet-Medien eine immer größere Rolle. Die sog. GAFA-Konzerne (Google, Amazon, Facebook, Apple) und ihre Ableger beherrschen immer stärker den internationalen Informations- und Meinungsmarkt, sie sind regelrechte „Manipulationsimperien“.

Eine besondere Erscheinung der sozialen Medien ist der „Echokammereffekt“. Immer mehr Menschen informieren sich nur noch über ein Internetmedium ihrer Denkrichtung. So entsteht ein geschlossenes System, in dem die eigene Meinung verstärkt wird. Es findet kein Dialog mehr statt, sondern eher Selbstbestätigung durch Gleichgesinnte in einem sich selbst verstärkenden Meinungsstrudel. Aufmerksamkeit wird durch Radikalisierung erreicht, was oft in regelrechte Hasskampagnen gegen Andersdenkende mündet. Lieb zitierte dazu den amerikanischen Schriftstellers Mark Twain: „Eine Lüge ist schon drei Mal um die Welt gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe angezogen hat.“

In der anschließenden Diskussion ging es um die Frage, was wir dieser Entwicklung entgegensetzen können. Liebs Antwort: „Wir brauchen Aufklärung über die Funktionsweise der digitalen Gesellschaft. Wir brauchen eine Entzauberung des Internets und mehr staatliche Kontrolle, insbesondere die Offenlegung der Algorithmen [Entscheidungsstrukturen] der Suchmaschinen, die immer mehr Informationen über uns als Nutzer sammeln“. Zugegeben im Spannungsfeld zwischen Meinungsfreiheit und Zensur. Wir brauchen ein gebührenfinanziertes öffentliches Internetportal sowie den Aufbau alternativer Informationskanäle, wie die „Nachdenkseiten“ oder den „Blog der Republik“, bei denen er selber aktiv ist bzw. war.

Zum Schluss rief Lieb zu einem zweiten 1968 auf. Er hatte damals selbst erlebt, wie schnell sich gesellschaftliche Zustände ändern können.