Allmende für Mitteilungsblatt 45-2017

Buchstäblich „Tod“Schick – Die Schattenseiten der Mode (2)

Nach dem Film "Todschick" sagte die Filmemacherin Inge Altemeier, dass sie kein großes Vertrauen in sog. Gütesiegel hat. Sie plädiert für Gesetze, wie sie Frankreich seit kurzem hat. Dann kann gerichtlich gegen Verstöße vorgegangen und es können Bußgelder verhängt werden. Entsprechende Gesetzesvorlagen sollen Ende 2017 in einem „Weltparlament“ in Berlin erarbeitet werden.

Vor Ort kommt ein weiteres Problem hinzu, wie der Film zeigt: Firmenbesitzer, die in Sicherheit und Brandschutz investieren wollen, erhalten von ihren Auftraggebern keinerlei Unterstützung.

Seitens der Textilfirmen gibt es ansatzweise Veränderungsbereitschaft. So lud Tchibo Fr. Altemeier schon zur Vorführung ihres Filmes ein. Wenn die Konkurrenz immer ein paar € billiger anbietet, ist der Druck auch auf Tchibo entsprechend groß. Gesetze könnten das ändern.

Die Publikums-Frage, ob es denn Erfolgserlebnisse gäbe, wurde nur eingeschränkt bejaht. „Zu Beginn meiner Tätigkeit war die Kinderarbeit in Indien ein großes Problem. Hier wurden Erfolge erzielt. Aber die Textilindustrie ist einfach weitergezogen an Orte ohne Vorschriften. Im Grunde genommen reise ich den Herstellerfirmen immer hinterher.“ Ein Teufelskreis. Neben Gesetzen wäre ebenfalls ein Wertewandel für dauerhafte Veränderungen notwendig. Das Schneider-Handwerk müsste wieder den Stellenwert und die Anerkennung bekommen, die es früher hatte. Ansätze dafür gibt es vielerorts in den Weltläden.

Der Vorschlag für eine Kleidertauschbörse in Stetten soll 2017 angepackt werden.

Franz Alt

Die BürgerInnen-Energie-Genossenschaft BEG lädt ein: Vortrag von Franz Alt, Do. 9.11., 19 Uhr, Künkelin-Halle Schorndorf: "Sonne + Wind schicken keine Rechnung"

34. Backtag

Sa, 11.11., Backhäusle. Interesse? Anmeldung bei Ingrid Richter, Tel. 1691804, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Allmende für Mitteilungsblatt 44-2017

Buchstäblich „Tod“Schick – Die Schattenseiten der Mode

Zu einer gemeinsamen Filmveranstaltung von Allmende, Kommunalem Kino, AK Solidarische Welt und Kernen-Masvingo-Gesellschaft fanden am 23. Oktober 75 BesucherInnen den Weg ins Ev. Gemeindehaus. Wir zeigten den Film „Todschick“ in Anwesenheit der Regisseurin Inge Altemeier, die extra aus Hamburg anreiste. Sie dreht seit 25 Jahren Dokumentationen über die Zustände in den Ländern, in denen die Kleidermode unserer hiesigen Textilindustrie hergestellt wird. Dafür hat sie fast alle Länder in Asien bereist und deren zum Teil haarsträubende Produktionsbedingungen und die Ausbeutung der dortigen NäherInnen dokumentiert, so 2016 in Bangla Desh, nach der verheerenden Rana Plaza Katastrophe, wo über 1.200 Menschen zu Tode kamen.

Wir schrieben auch an an die im Film erwähnten Textilfirmen H&M und KiK. Sowohl an die Konzernzentralen wie auch an örtliche Filialen. Ohne irgendeine Reaktion, nicht mal eine Bestätigung über den Briefeingang. Wir haben inzwischen nachgehakt.

„Es müsste doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass ich mich als Verbraucherin von Mode bzw. Textilien darauf verlassen kann, dass bei der Herstellung alle notwendigen Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Wenn für unsere Mode andere Menschen sterben müssen, ist grundsätzlich etwas falsch.“, so die Regisseurin. Daher plädiert sie für Gesetze sowohl auf nationaler wie auch auf EU-Ebene und lehnt Textilbündnisse wie ACCORD ab. Denn Labels (zu Deutsch: Gütesiegel wie z.B. Öko-Tex) beruhen alle auf freiwilliger Grundlage und können nur sehr oberflächlich kontrolliert werden. (Forts. folgt)

Eine besondere Lesung

Am Sa, 18.11. um 16.30 Uhr kommt Prof. Michael Buback, Sohn des ermordeten Generalbundesanwaltes Siegfried Buback, ins Museum und liest aus seinem Buch "Der zweite Tod meines Vaters"

 

Allmende für Mitteilungsblatt 42-2017

Film: Todschick – Die Schattenseiten der Mode

Die furchtbaren Bilder gingen damals um die ganze Welt: Am 24.4.2013 stürzte in Sabhar, 25 km von der Hauptstadt Dhaka in Bangladesh, ein achtgeschossiges Gebäude ein, das Rana Plaza. 1.135 Menschen wurden getötet, 2438 z.T. schwer verletzt. Die Toten waren vor allem TextilarbeiterInnen, die von ihren Chefs gezwungen worden waren, dort zu arbeiten, obwohl die Polizei den Komplex wg. starke Rissbildung am Tag zuvor gesperrt hatte. Eine Untersuchungskommission stellte fest, dass grobe Fahrlässigkeit und Profitstreben die Ursache für den Einsturz war. Mitte Mai 2013 unterzeichneten europäische und US-amerik. Abnehmerfirmen, die dort produzieren ließen, mit internat. Gewerkschaftsdachverbänden und Nichtregierungsorganisationen das „Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch“. Mit unabhängigen Kontrollen und dem Recht der ArbeiterInnen, die Arbeit bei schwerwiegenden Sicherheitsmängeln niederzulegen zu können. Mitunterzeichner waren u.a. auch die bei uns vertretenen Firmen H&M, Zara, C&A, Tchibo, Primark, KiK und Aldi.

Die Filmemacherin Inge Altemeier war 2016 vor Ort und hat mit Überlebenden und Managern gesprochen, um zu prüfen, ob das Abkommen eingehalten wird. Wir zeigen ihren Film „Todschick – Die Schattenseiten der Mode“ am Mo, 23.10. um 20 Uhr im Ev. Gdehaus in Stetten. (In Koop mit Kommunalen Kino, AK Sol. Welt und Kernen-Masvingo-Gesellsch.)

Die Filmemacherin bittet alle ZuschauerInnen, an diesem Abend hier gekaufte Textilien mitzubringen, billige oder teure. Anhand der Etiketten will sie versuchen, herauszufinden, wo diese Kleider hergestellt wurden und was die örtlichen TextilarbeiterInnen dafür an Lohn bekommen haben. Wir haben auch an die Geschäftsleitungen von H&M und KiK geschrieben und sie um eine Stellungnahme gebeten bzw. zur Vorführung eingeladen.