Mittwoch, 20. Februar 2019, 18:30 Uhr, Hotel Silber, Dorotheenstr. 10, Stuttgart
Film: Die Teichmanns – Ein Leben für die Menschlichkeit
 
„Es war einmal ein Handwerker, ein gelernter Nähmaschinenschlosser, Kurt Teichmann, Jahrgang 1904, der auf der Walz seine spätere Frau Dorothea „Dorle“ Seubert, Jahrgang 1906, kennenlernte und heiratete“. So beginnt der jüngste Film aus dem „Projekt Dorfgedächtnis“ der Allmende Stetten. Es handelt sich jedoch um kein Märchen, die Geschichte hat sich so zugetragen.
Das junge Paar zog 1927 nach Stuttgart, auf den Weißenhof. Dort geriet Kurt 1933 als Sozialdemokrat und Gewerkschafter ins Visier der Nazi-Polizei, wurde verhaftet, im Hotel Silber verhört, später ins KZ Heuberg eingeliefert. Dies hielt die beiden aber nicht davon ab, auch nach seiner Entlassung aus der Haft weiterhin im antifaschistischen Widerstand aktiv zu sein. Sie halfen französischen Kriegsgefangenen, sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und jüdischen Kollegen und Nachbarinnen. Akte der Menschlichkeit in einer dunklen Zeit.
Ihre Taten und Erlebnisse leben wieder auf in den Erzählungen ihres Sohnes Erich, Jahrgang 1930, der die NS-Diktatur als Kind und Jugendlicher miterlebte
Erich Teichmann zog in den 1950er Jahren in die Beinsteiner Straße nach Rommelshausen, wo er heute noch lebt. Als Konsequenz aus den Kriegserlebnissen gehörte er in den 1970er Jahren zu den aktiven Gründern der Partnerschaftsgesellschaft mit dem französischen St. Rambert d’Albon.
 
 
Donnerstag, 7. März 2019, 19 Uhr, „Spagat“, Kurze Str. 20, Waiblingen
Ebbe Kögel im Gespräch mit Guillermo „Apa“ Aparicio: “Der Glaube eines Ungläubigen“ 
 
Guillermo Aparicio wurde 1940 in Villadiego, einem kleinen Dorf im spanischen Hochland geboren. Die Chance auf eine höhere Bildung konnte ihm nur durch den Besuch eines Priesterseminars der Jesuiten zuteilwerden. So konnte er Philosophie und Theologie in Loyola, Bilbao, Madrid und München studieren.
Der letzte Studienort war schicksalshaft. Hier lernte er seine später Frau Josefine kennen und trat aus dem Jesuitenorden aus. Er wurde vom Priester zum Ungläubigen. Das Paar lebte in Berlin, Aachen, dem Stuttgarter Osten und zuletzt in Winnenden.
„Apa“, wie er von seinen FreundInnen genannt wird, ist Übersetzer, Journalist und Schriftsteller. Neben Gedicht- und Prosabänden verfasste er zahlreiche Koch- und Sprachbücher in den Reihen "Spanisch für Besseresser" und "Spanisch für Besserwisser". Von 1988 bis 1999 war er Redakteur und Mitherausgeber der monatlichen Lokalzeitung "Stuttgarter Osten" und schrieb gelegentlich für die TAZ und den SWR. Im Alter spielte er Theater beim Jungen Ensemble Stuttgart (JES). Er besitzt sowohl die spanische wie auch die deutsche Staatsbürgerschaft und sagt darüber: "Als Spanier bin ich sehr stolz darauf, ein Deutscher zu sein".
Mit dem Allmende-Vorsitzenden Ebbe Kögel unterhält sich Guillermo Aparicio über sein Leben. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.
 
 
Freitag 8. März 2019, NaturFreunde Feuerbach, Tucholskystr. 3,  70469 Stuttgart
Film: d’Elis bachd - Zum internationalen Frauentag
 
Im Rahmen ihrer Aktivitäten im Bereich "Heimatkunde" hat die Allmende Stetten im Jahre 2010 begonnen, Filme zu produzieren, die untergehende handwerkliche und bäuerliche Traditionen dokumentieren, damit diese für die Nachwelt erhalten bleiben. Der erste Film dieser Reihe befasst sich unter dem Titel "d'Elis bachd" mit dem Brotbacken in früherer Zeit. Seit 1840 existiert in Stettens Dorfmitte in der Mühlgaß ein gemeindeeigenes Backhäusle, in dem bis zum heutigen Tag Kuchen und Brot im traditionellen Holzbackofen hergestellt werden. Eine der regelmäßigen Nutzerinnen war die damals 96-jährige Elis Zimmer aus der Pommergaß, die der Film bei der Brotherstellung begleitet.
Sie zeigt, wie im Backhäusle der Ofen mit Kräala angezündet und zu Hause der Brotteig geknetet und portioniert wird. Wir sind dabei, wenn die Brote in den Ofen eingeschossen werden und sehen natürlich auch das knusprige Resultat. Dazu erzählt Elis Zimmer aus ihrem arbeitsreichen Leben.
Ergänzt wird dieses einzigartige Dokument aus der bäuerlichen Vergangenheit des Dorfes von einem Interview mit der Leiterin des Freilichtmuseums Beuren, Steffi Cornelius, über die Geschichte der Dorfbackhäuser.
 
 
Mittwoch, 3. April 2019, Schellingstraße e.V., Schellingstraße 6, 72072 Tübingen
Vortrag Ebbe Kögel: Wia d’Revoludsjo enn d‘Provinz kommå isch
 
Schon 1964 sang Bob Dylan „The times they are a-changin – Die Zeiten ändern sich”. In künstlerischer Vorahnung nahm er vorweg, was wenige Jahre später die ganze Welt erschüttern sollte – die Ereignisse des Jahres 1968: in Paris, in Prag, in Mexiko, in Berlin. Und auch in der schwäbischen Provinz.
Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, der Krise der Landwirtschaft und der Bildungsreform, als die Welt vom Kopf auf die Füße gestellt wurde, „å Revoludsjo“ wie die Alten sagten. Als die Jugendlichen andere Formen des Zusammenlebens suchten, andere Musik hörten, sich anders kleideten und in Konfrontation gingen zu der Welt der Erwachsenen, in der ihr Lebensentwurf schon vorgezeichnet schien.
In seinem Vortrag in Wort, Bild, Ton und mit Anschauungsmaterial erzählt der Heimatforscher und Soziologe Ebbe Kögel aus Stetten im Remstal, Jahrgang 1953, wie sich die Zeiten damals veränderten.
 
 
Montag, 29. April 2019, 15:30 Uhr, Mosernachmittag im Ev. Gemeindehaus Stetten, Kirchstr. 1, Stetten 
Film „Karl Haidle – Hondert!“
 
Karl Haidle aus der Pommergaß, Jahrgang 1915, ist der älteste Stettener Bürger und erzählt in dieser spannenden Dokumentation, die im Rahmen des "Projekt Dorfgedächtnis" der Allmende erstellt wurde, aus seinem langen Leben.
Er wurde im Kaiserreich während des 1. Weltkrieges geboren und kann sich noch daran erinnern, wie die Menschen das Ende des Krieges feierten. Nach seiner Ausbildung zum Mechaniker bei der Firma Wiedmann in Fellbach kam er während der NS-Diktatur zum Reichsarbeitsdienst an die Bergstraße und nahm 1936 als „Soldat der Arbeit“ am Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg teil. Nach einem einjährigen Intermezzo als Revolverdreher beim Daimler in Untertürkheim wurde er 1937 zu den Gebirgsjägern nach Garmisch eingezogen und war mit seiner Einheit beim „Anschluss“ Österreichs und des Sudetenlands dabei. Ab September 1939 machte er als Meldefahrer auf seinem BMW-Motorrad sämtliche Feldzüge der deutschen Wehrmacht zur Eroberung Europas mit. Von Dünkirchen am Atlantik bis zum Fuße des Elbrus im Kaukasus. Wie durch ein Wunder überlebte er den Krieg unverletzt und ohne gesundheitliche Schäden.
1944 kam er in jugoslawische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst nach 4 Jahren nach Stetten zurück.
Nach dem Krieg übernahm er die elterliche Landwirtschaft. Bis heute versorgt er die Nachbarschaft in der Pommergaß an seinem Ständle mit Eiern aus seiner Hühnerzucht.

Die Allmende ist: Heimatkunde - Provinzielle Lebenswege – Projekt Dorfgedächtnis – Kinematograph – Gespräche unter der Yburg – Trockenmauerprojekt + Museumswengert – Ibrs Land bussiird – Allmende Communale + Internationale

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