Freitag, 21. September 2018, 19:30 Uhr, Begegnungsstätte Luginsland Kirche, Barbarossastr.52, Stuttgart-Luginsland

Die Teichmanns – Ein Leben für die Menschlichkeit 

„Es war einmal ein Handwerker, ein gelernter Nähmaschinenschlosser, Kurt Teichmann, Jahrgang 1904, der auf der Walz seine spätere Frau Dorothea „Dorle“ Seubert, Jahrgang 1906, kennenlernte und heiratete“. So beginnt der jüngste Film aus dem „Projekt Dorfgedächtnis“ der Allmende Stetten. Es handelt sich jedoch um kein Märchen, die Geschichte hat sich so zugetragen.  

Das junge Paar zog 1927 nach Stuttgart, auf den Weißenhof. Dort geriet Kurt 1933 als Sozialdemokrat und Gewerkschafter ins Visier der Nazi-Polizei, wurde verhaftet, im Hotel Silber verhört, später ins KZ Heuberg eingeliefert. Dies hielt die beiden aber nicht davon ab, auch nach seiner Entlassung aus der Haft weiterhin im antifaschistischen Widerstand aktiv zu sein. Sie halfen französischen Kriegsgefangenen, sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und jüdischen Kollegen und Nachbarinnen. Akte der Menschlichkeit in einer dunklen Zeit.  

Ihre Taten und Erlebnisse leben wieder auf in den Erzählungen ihres Sohnes Erich, Jahrgang 1930, der die NS-Diktatur als Kind und Jugendlicher miterlebte  

Erich Teichmann zog in den 1950er Jahren in die Beinsteiner Straße nach Rommelshausen, wo er heute noch lebt. Als Konsequenz aus den Kriegserlebnissen gehörte er in den 1970er Jahren zu den aktiven Gründern der Partnerschaftsgesellschaft mit dem französischen St. Rambert d’Albon.

Eintritt frei 

 

Donnerstag, 11. Oktober 2018, 20:00 Uhr, Club Manufaktur,Hammerschlag 8 Schorndorf

Vortrag Ebbe Kögel: "Wia d'Revoludsjo enns Remsdal komma isch"

Im April 1968 wurde in Stetten im Remstal das erste selbstverwaltete Jugendzentrum der Bundesrepublik gegründet. Entgegen der landläufigen Meinung – und teilweise entgegen den Verlautbarungen der wissenschaftlichen Forschung – ist die Jugendzentrumsbewegung auf dem Land entstanden. Und hatte dort ihre stärkste Verwurzelung, unter anderem auch im Rems-Murr-Kreis.  
Und wir können es beweisen! 
In Wort, Bild, Ton und mit Anschauungsmaterial erzählt der Heimatforscher und Soziologe Ebbe Kögel, Jahrgang 1953, vom „wilden Jahrzehnt“ zwischen 1967 und 1977, als das Wirtschaftswunder, die Krise der Landwirtschaft und die Bildungsreform der 1960er Jahre die Remstäler Welt vom Kopf auf die Füße stellten. Als die Jugendlichen andere Formen des Zusammenlebens suchten, andere Musik hörten, sich anders kleideten und in Konfrontation gingen zu der Welt der Erwachsenen, in der ihr Lebensentwurf schon vorgezeichnet schien. Es war eine Rebellion in der Provinz, „å Revoludsjo“, wie die Alten sagten.
Oder, wie Bob Dylan schon 1964 sang: „The Times They Are A-Changin’“. 
Eintritt: Vvk 5€, Abendkasse 8€

 

Sonntag, 14. Oktober 2018, 11 Uhr, Freilichtmuseum Beuren

Vortrag Ebbe Kögel: „Oifach nemme kommå« – Vom Verschwinden der Viehjuden im Remstal und im Neckartal“

Der Vortrag in der Reihe “Jüdisches Leben” zur Ausstellung im Freilichtmuseum Beuren beleuchtet das Schicksal der Viehjuden in der Region. Der Vortrag ist im Museumseintritt inbegriffen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bis 1933 wird der Großviehhandel in Rems- und Neckartal weitgehend von jüdischen Viehhändlern aus Esslingen betrieben, die über die Dörfer ziehen und den Bauern Vieh verkaufen oder bei ihnen einstellen.

Nach der Machtübergabe an die Nazis wird der Viehhandel “arisiert”, die jüdischen Händler werden zuerst schikaniert und erhalten dann Berufsverbot. Dies wird beispielhaft am Fall des Berthold Oppenheimer aus Esslingen erklärt, der bekannteste unter den Viehhändlern der Region. Er wird mit seiner ganzen Familie 1941 in Riga ermordet. Ausführlich wird auch die Bedeutung des Viehhandels für die Landwirtschaft der Vorkriegszeit und der Weg in die Bedeutungslosigkeit nach dem 2. Welt-krieg dargestellt.  

Ebbe Kögel stammt aus einer alten Wengerterfamilie in Stetten im Remstal und ist Heimatforscher, Dozent für Regionalgeschichte, Journalist und Dolmetscher/Übersetzer.

Weitere Infos zur Veranstaltungsreihe unter www.freilichtmuseum-beuren.de 

 

Donnerstag, 8.November 2018, 20 Uhr, Glockenkelter Stetten

Bundesweite Film-Uraufführung: Der Marktgerechte Patient

Es gibt bereits zahllose Berichte über skandalöse Zustände in den deutschen Krankenhäusern. Erstaunlicherweise fehlt dabei aber fast immer der Bezug auf die wesentliche Ursache dieser Zustände: Die seit 2003 verbindliche Vergütung der Krankenhäuser durch sog. Fallpauschalen (jede diagnostizierbare Krankheit hat einen fixen Preis) Wer mit möglichst geringen Personal-, Sach- und Organisationskosten den Patienten optimal schnell abfertigt, macht Gewinn – wer sich auf die PatientInnen einlässt und Tarife zahlt, macht Verlust.

Die Einführung der sog. DRGs (Diagnosis Related Groups) war der radikale Schritt zur kompromisslosen Kommerzialisierung eines Bereichs, der bis dahin vom Gedanken des Mitgefühls und Fürsorge getragen wurde. Seither wird der Mensch dort, wo er am Verletzlichsten ist, nämlich als hilfsbedürftiger Patient, den gnadenlosen Prinzipien von Gewinn und Verlust untergeordnet.

Der Film möchte bei der Aufdeckung von Folgen vor allem auf die Ursachen der unhaltbaren Zustände in den deutschen Krankenhäusern aufmerksam machen, denn nur so sind sie zu verändern.

Ein Film von Leslie Franke und Herdolor Lorenz,72 Min.

 

Dienstag, 13. November 2018, 20 Uhr, Ev. Gemeindehaus, Mühlstr. 1, Stetten

Film „Vorhang auf für Gaza“

Nach den ersten israelischen Angriffen auf Gaza 2008/2009 schrieben 33 Teenager in Gaza ihre Erfahrungen und Erlebnisse während des Krieges nieder. Das Projekt, initiiert vom ASHTAR-Theater (Ramallah), mündete in ein Theaterstück mit dem Titel „Die Gaza Monologe“. Bis heute wurde es in über 80 Städten in 40 Ländern aufgeführt, auch im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Da der Gazastreifen seit 2006 abgeriegelt ist, konnten die meisten dieser Aufführungen nicht von den Verfassern der Monologe aus Gaza selbst durchgeführt werden. Für sie sprang ein Ensemble des ASHTAR-Theaters aus Ramallah ein. Im Jahr 2016 – nach zwei weiteren Kriegen in Gaza (2012 und 2014) – erreicht die jungen Theaterleute in Gaza die Einladung, ihre „Monologe“ in Ramallah im Westjordanland bei einem internationalen Jugendtheaterfestival aufzuführen. Für sie alle wäre es der erste Besuch des anderen Teils ihres Heimatlandes. Ob sie jedoch fahren dürfen, hängt von der Reisegenehmigung der israelischen Besatzungsbehörde ab.

Der Film begleitet sieben der junge Schauspielerinnen und Schauspieler während der Zeit des Wartens, des Probens, des Bangens und Hoffens und zeigt, was es bedeutet, als junger Mensch unter der Besatzung in Gaza zu leben. Die jungen Menschen sprechen aber auch über die schönen Dinge in Gaza: über die Bedeutung von Theater und Kunst, über Freundschaft und Liebe.

Ein Film von Sabrina Dittus (Deutschland, Palästina 2016, 55 Min. )

Im Rahmen des Globalen Filmherbst 2018 von Engagement Global.

In Anwesenheit der Regisseurin.

Eintritt 6€

 

 

 

Samstag, 15. Dezember 2018, 17 Uhr, Museum unter der Y-Burg, Hindenburgstr. 24

Vortrag Annette Groth: Palästina – Vertreibung, Krieg und Besatzung. Wie der Konflikt die Demokratie untergräbt

Seit Israel die palästinensischen Gebiete und Ost-Jerusalem besetzt hält, werden PalästinenserInnen aus ihren Heimatorten vertrieben, ihrer Rechte und ihres Besitzes beraubt. Erörtert wird dies anhand von Siedlungsbau, der Situation von Kindern in israelischen Gefängnissen, der massiven Einschränkung der Bewegungsfreiheit durch Kontrollstellen und Mauer, der Lage in Gaza und dem Abbau demokratischer Rechte in Israel und Palästina.

Um die öffentliche Debatte der israelischen Menschen- und Völkerrechtsverstöße zu verhindern, werden in Europa mit haltlosen Antisemitismusvorwürfen Kampagnen gegen Veranstaltungen, Publikationen und Personen geführt. Insofern geht es auch um Meinungsfreiheit und Demokratie bei uns selbst.

Anette Groth möchte mit ihrem Vortrag zum Buch zu einer Versachlichung der emotional aufgeladenen Debatte beitragen, die gerade in Deutschland oft ohne Faktenkenntnis geführt wird.

Die Linke-Politikerin, Jahrgang 1954, ist Entwicklungssoziologin sowie Mitglied des Landesvorstands der Linke Baden-Württemberg und war von 2009 bis 2017 Abgeordnet im Deutschen Bundestag. Hier arbeitete sie unteranderem als menschenrechtspolitische Sprecherin für die Linke.

Eintritt 6€

Die Allmende ist: Heimatkunde - Provinzielle Lebenswege – Projekt Dorfgedächtnis – Kinematograph – Gespräche unter der Yburg – Trockenmauerprojekt + Museumswengert – Ibrs Land bussiird – Allmende Communale + Internationale

Zusätzliche Informationen