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Rückblick auf Vortrag Thomas Gebauer am 27.2.2016: Weltweite Fluchtursachen

Für das Recht zu gehen, für das Recht zu bleiben. Hier wie dort. 

Vor ausverkauftem Haus war am Samstagnachmittag der Geschäftsführer der in Frankfurt beheimateten Hilfsorganisation medico international, Thomas Gebauer im Stettener Museumskeller zu Gast. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Allmende, des PFB und dem AK Asyl sprach er über die Ursachen der weltweiten Flüchtlingsbewegungen. Er machte insbesondere die entfesselte kapitalistische Wirtschaftsweise für die gegenwärtigen Probleme verantwortlich. Durch die von der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und sog. Freihandelsabkommen erzwungenen „Strukturanpassungsmaßnahmen“ wurden im „globalen Süden“ staatliche Strukturen, die landwirtschaftlichen Lebensgrundlagen und die soziale Daseinsvorsorge der Menschen zerstört. Dies zwingt sie, ihre Heimat zu verlassen. Die Lösung besteht aber nun nicht in der Errichtung von Grenzzäunen und der massiven finanziellen und militärischen Unterstützung von arabischen oder afrikanischen Diktatoren, sondern in der Schaffung einer gerechten Weltordnung, die allen Menschen ein würdiges Leben ermöglicht. z.B. auf genossenschaftlicher oder Allmende-Grundlage. Dafür müssen die Reichen einen Teil ihres Vermögens abgeben. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die die UNO-Vollversammlung am 10.12.1948 verabschiedete, heißt es: „Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten [Grund-]Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können.“ Oder, wie es medico plakativ formuliert: „Für das Recht zu bleiben, für das Recht zu gehen“. Überall auf der Welt.

Zum Abschluss wurde das 1971 von John Lennon komponierte Lied „Imagine“ (Stell dir vor) gespielt, die Vision einer Gesellschaft frei von Religionen, Nationalismus und Privateigentum, und ein Aufruf für den Frieden. Am Schluss dieser berühmten Hymne heißt es:

You may say I'm a dreamer

But I'm not the only one

I hope someday you'll join us

And the world will live as one

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,

Aber ich bin nicht der einzige!

Und ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,

Und die ganze Welt wird eins sein. 

  

Mittwoch, 16. März 2016, 20 Uhr, Ev. Gemeindehaus Stetten, Mühlstr. 1, Stetten

Vortrag von Prof. Niko Paech: Globale Gerechtigkeit ohne Wirtschaftswachstum

Die lang gehegte Hoffnung, dass wirtschaftliches Wachstum durch technischen Fortschritt nachhaltig oder klimafreundlich gestaltet werden kann, bröckelt. Weiterhin scheint ein auf ständiges wirtschaftliches Wachstum getrimmtes System keine Garantie mehr für Stabilität und soziale Sicherheit zu bieten. Das zeigen nicht nur die Schuldenkrisen der letzten Jahre, sondern auch die Verknappung der weltweiten Ressourcen, auf deren unbegrenzter und kostengünstiger Verfügbarkeit das westliche konsumorientierte Wohlstandsmodell seither beruhte. Dieses Modell verbreitet sich durch die Massenmedien und das Internet über die ganze Welt und löst Flüchtlingsströme nach Europa aus.

Doch was könnte die Alternative sein? Welche Art des Wirtschaftens und des menschlichen Zusammenlebens wäre ohne ständiges Wachstum möglich? Können wir weniger arbeiten und trotzdem glücklich und zufrieden sein? Können wir wieder zurück zu einer vor-industriellen, handwerklichen Produktionsweise, zu einer nicht-industriellen Landwirtschaft? Gibt es ein „Glück ohne Kerosin“, also ohne einen weihnachtlichen Kurztrip auf die Kanaren? Wie können die Reichtümer der Welt gerecht verteilt werden?

Prof. Dr. Niko Paech ist Volkswirtschaftler und vertritt derzeit den Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg. Er forscht und lehrt u.a. in den Bereichen Klimaschutz und nachhaltiger Konsum.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Allmende Stetten und des AK Solidarische Welt.

Der Eintritt zum Vortrag ist frei, um Spenden wird gebeten.

 

Freitag, 18. März 2016, 20 Uhr, Museum unter der Yburg, Obergaß 24, Stetten

Vortrag von David Templin: Freizeit ohne Kontrollen – Die JZ-Bewegung der 1970er Jahre

Im April 1968 entstand in Stetten im Remstal das erste selbstverwaltete Jugendzentrum in der Bundesrepublik. Am 18. März 1977 machte dieses Jugendzentrum mit einer spektakulären (und erfolgreichen) Hausbesetzung erneut auf sich aufmerksam.
Stetten und viele Nachbargemeinden im Rems-Murr-Kreis waren Teil einer bundesweiten Bewegung, die damals vor allem viele Jugendliche in der Provinz erfasste. Von der Lüneburger Heide bis in den Bayrischen Wald.
David Templin, Jahrgang 1983, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und hat 2015 ein dickes Buch veröffentlicht „Freizeit ohne Kontrollen – Die Jugendzentrumsbewegung in der Bundesrepublik der 1970er Jahre“. Dafür ist er durch die ganze Republik gereist, hat mit ehemaligen AktivistInnen (und ihren damaligen Gegnern auf staatlicher Seite) gesprochen und viele Archive durchforstet. U.a. auch in Stetten im Remstal und im Rems-Murr-Kreis. Auf der Suche nach den Ursachen der damaligen Bewegung, ihren Organisationsformen und ihrem Niedergang.
Zum 39. Jahrestag der Hausbesetzung wird er aus diesem Buch lesen und seine Forschungsergebnisse vorstellen.
Unkostenbeitrag : 6 Euro

 

Donnerstag, 14. April, 20 Uhr, Musikvereinsheim, Frauenländerstr. 34, Stetten

Film: 2 Tage, 1 Nacht

Sandra (Marion Cotillard) soll entlassen werden, es sei denn, sie überredet die Belegschaft, auf den versprochenen Bonus von 1.000 Euro zu verzichten. Ein Wochenende gibt ihr der Chef für diese entwürdigende Mission Zeit. Sie macht sich auf den beschwerlichen Weg, all ihre 16 Kollegen abzuklappern. Denen steht finanziell meist auch das Wasser bis zum Hals, den Bonus haben sie längst einkalkuliert.

Aus dem Herzen der Gesellschaft erzählen die belgischen Regiebrüder Dardenne wahrhafte und große Geschichten im Kleinen. Ausgehend von einer einfachen Ausgangssituation eröffnen sich dem Zuschauer bald tiefe und ergreifende Einblicke in die kleinen, hart umkämpften Lebenswelten einer jeden Figur, die Sandra auf ihrem Weg besucht. Mit ihrem neuen Film treffen sie dabei den Zeitgeist wie selten zuvor und zeichnen ein packendes, realistisches Bild der kapitalistischen Arbeitswelt.

In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino Kernen.

 

Mittwoch, 20. April 2016, 20 Uhr, Museum unter der Yburg, Obergaß 24, Stetten

Lesung Titus Simon: Kirmeskind

Der Murrhardter Autor Titus Simon hat 2015 den zweiten Teil seiner schwäbisch-hohenlohischen Trilogie veröffentlicht, den Roman „Kirmeskind“
Im Mittelpunkt steht Hans, ein sogenanntes „Amibankert“, Sohn einer Einheimischen und eines schwarzen amerikanischen Besatzungssoldaten. Das Buch schildert die schwere Kindheit des Jungen in einem hohenlohischen Dorf, der in den 50er und frühen 60er Jahren des letzten Jahrhunderts darunter zu leiden hat, dass seine Hautfarbe ein wenig dunkler ist als die der Menschen in seiner Umgebung. Die Schilderung des beschwerlichen Lebens süddeutscher Schausteller zwischen 1945 und 1968, zwischen Muswies und Cannstatter Wasen, bildet einen weiteren Erzählstrang dieses Buches.
Titus Simon, Jahrgang 1954, wuchs in Murrhardt auf und wurde dort in der Jugendzentrumsbewegung politisch sozialisiert. Von 1980 bis 1997 war er Gemeinderat für die „Murrhardter Demokraten/Alternative Liste“. Von 1992 bis 2014 war er Professor in Wiesbaden und Magdeburg. Er lebt heute als freiberuflicher Schriftsteller in Oberrot (Landkreis Schwäbisch Hall) und schreibt Krimis und kritische Heimatromane. Im Januar 2014 war er bereits bei den Provinziellen Lebenswegen der Allmende bzw. mit seinem ersten Heimatroman „Hundsgeschrei“ zu Gast.
Unkostenbeitrag: 7 Euro.
In Zusammenarbeit mit der der VHS Unteres Remstal, Außenstelle Kernen.

 

Mittwoch, 27. April, 20 Uhr, Ort wird noch bekanntgegeben

Talkshow: Heinz Hummler – Ein Arbeiterleben

Der Stuttgarter Heinz Hummler, Jahrgang 1932, gelernter Werkzeugmacher, kämpfte ein Leben lang für die Verbesserung der Lebensbedingungen der lohnabhängigen Menschen. U.a. war er Mitte der 1980er Jahre an den jahrelangen Auseinandersetzungen um die Schließung der Trafo-Union in Cannstatt beteiligt.

 

Montag, 30. Mai 2016, 19.30 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus, Mühlstr. 1, Stetten

Vortrag Dr. Boniface Mabanza: Fluchtursachen werden gemacht. Europas Handelspolitik gegenüber Afrika

Warum tragen Industrienationen  seit Jahren dazu bei, dass zahlreiche Menschen in Afrika immer ärmer werden – und irgendwann nur noch die Flucht als Lösung sehen. Was verbirgt sich hinter den „Wirtschaftspartnerschaftsabkommen“ („Economic Partnership Agreements“, kurz EPAs) und welche Handelspolitik betreibt die Europäische Union gegenüber afrikanischen Ländern? Es gibt sie, die rohstoffreichen Länder Afrikas, doch gerade in solchen Ländern herrscht oft die größte Armut. „Von Fluchtursachen zu sprechen und ein Handelssystem zu ignorieren, das sich wie Krieg gegen die Armen auswirkt und wie jeder Krieg, Flüchtlinge produziert, kann nur mit einer gestörten Selbst- und Fremdwahrnehmung erklärt werden. Wir wollen nur Feuer löschen, aber wir sind die Brandstifter“, sagt der Referent Dr. Boniface Mabanza.

Er wurde in der Demokratischen Republik Kongo unter der Militärdiktatur Mobutus geboren, studierte Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaften in Kinshasa und promovierte an der Universität Münster. Gegenwärtig arbeitet als Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg, einem ökumenisch ausgerichteten Lobby- und Kampagnenbüro für soziale und wirtschaftlicher Gerechtigkeit, das dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Für seinen konsequenten Einsatz für afrikanische Perspektiven in Europa wurde der Kongolese 2015 mit dem Dorothee-Sölle-Preis für aufrechten Gang ausgezeichnet.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Allmende und des AK Solidarische Welt. Eintritt: 6 Euro

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